Saubere Einweghandschuhe schützen nur dann zuverlässig, wenn sie beim Anziehen nicht bereits verunreinigt werden. Wer Einweghandschuhe hygienisch anziehen will, beginnt deshalb nicht mit dem Handschuh, sondern mit den Händen, der Arbeitsfläche und der passenden Grösse. Das gilt im Privathaushalt ebenso wie in Praxis, Pflege, Reinigung, Gastronomie und anderen Betrieben.
Warum das hygienische Anziehen entscheidend ist
Einweghandschuhe bilden eine Barriere zwischen Hand und Arbeitsbereich. Sie ersetzen jedoch weder das Händewaschen noch die Händedesinfektion. Werden sie mit ungewaschenen, feuchten oder verschmutzten Händen angezogen, gelangen Keime an die Innenseite. Beim späteren Ausziehen können diese wieder auf die Haut übertragen werden.
Auch die Aussenseite darf vor der Arbeit möglichst nicht berührt werden. Besonders relevant ist das bei Tätigkeiten mit Lebensmitteln, bei der Wundversorgung, beim Kontakt mit Reinigungsmitteln oder beim Umgang mit Körperflüssigkeiten. Eine saubere Anziehtechnik reduziert vermeidbare Übertragungen und hält den Arbeitsablauf klar.
Vor dem Anziehen vorbereiten
Legen Sie die Handschuhbox auf eine saubere, trockene und gut erreichbare Fläche. Entnehmen Sie nur die benötigte Menge. Einzelne Handschuhe, die auf den Boden fallen, sichtbar verschmutzt sind oder an einer ungeeigneten Stelle abgelegt wurden, gehören nicht mehr in den Einsatz.
Waschen oder desinfizieren Sie die Hände nach den Vorgaben Ihres Arbeitsbereichs. Anschliessend müssen die Hände vollständig trocken sein. Feuchtigkeit erschwert nicht nur das Anziehen, sondern kann die Haut unter dem Handschuh aufweichen. Das erhöht bei längeren Einsätzen das Risiko für Hautreizungen.
Vor dem Einsatz sollten Uhren, Ringe und Armbänder abgelegt werden. Sie können das Material beschädigen, den korrekten Sitz beeinträchtigen und Bereiche schaffen, die bei der Handhygiene schlecht erreichbar sind. Fingernägel sollten kurz und sauber sein. Künstliche Nägel oder Nagelschmuck sind in hygienekritischen Bereichen ungeeignet.
Die passende Handschuhgrösse wählen
Ein zu kleiner Handschuh steht unter Spannung und reisst leichter ein. Ein zu grosser Handschuh bildet Falten, reduziert das Tastgefühl und kann bei feinen Arbeiten verrutschen. Beides erschwert hygienisches Arbeiten.
Die richtige Grösse liegt an Handfläche und Fingern eng an, ohne Druckstellen zu verursachen. Die Finger müssen die Spitzen erreichen, ohne dass das Material stark gedehnt wird. Bei regelmässigem Verbrauch lohnt es sich, die benötigte Grösse im Betrieb einheitlich verfügbar zu halten. So entfallen Improvisationen, wenn Handschuhe kurzfristig gebraucht werden.
Material und Einsatzzweck beachten
Nicht jeder Einweghandschuh passt zu jeder Aufgabe. Nitrilhandschuhe sind für viele Tätigkeiten in Pflege, Reinigung, Labor und Lebensmittelverarbeitung geeignet und eine gängige Wahl bei Latexallergien. Vinylhandschuhe können bei kurzen, wenig belastenden Tätigkeiten sinnvoll sein, bieten jedoch je nach Anwendung eine geringere Reissfestigkeit und Passform.
Entscheidend sind die Angaben des Herstellers zum vorgesehenen Einsatz, zur chemischen Beständigkeit und gegebenenfalls zur Eignung für Lebensmittelkontakt. Bei aggressiven Reinigungsmitteln oder längerer Exposition reicht ein üblicher Untersuchungshandschuh möglicherweise nicht aus. Hier muss der Handschutz zur konkreten Substanz und zur Einwirkzeit passen.
Einweghandschuhe hygienisch anziehen - Schritt für Schritt
Nach der Handhygiene berühren Sie möglichst nur den Rand des ersten Handschuhs. Arbeiten Sie ruhig und ohne unnötige Korrekturen. Die Aussenseite bleibt dabei so weit wie möglich frei von Kontakt.
1. Nehmen Sie einen Handschuh am umgeschlagenen Bündchenrand aus der Box. Fassen Sie dabei nur die Innenseite des Bündchens an.
2. Führen Sie die andere, saubere Hand in den Handschuh ein. Ziehen Sie ihn am Bündchen über die Hand, ohne die Aussenseite mit der blossen Hand zu berühren. Die Finger sollen gerade in den einzelnen Fingerbereichen liegen.
3. Mit der bereits behandschuhten Hand greifen Sie nun unter den Bündchenrand des zweiten Handschuhs. Berühren Sie dabei möglichst nur die Innenseite, die später am Handgelenk anliegt.
4. Führen Sie die zweite Hand ein und ziehen Sie den Handschuh über das Handgelenk. Richten Sie beide Handschuhe nur am Bündchen aus. Ziehen Sie nicht unnötig an Fingerspitzen oder Handflächen.
Sitzt ein Handschuh deutlich verdreht, eingerissen oder kontaminiert, wechseln Sie ihn sofort. Dasselbe gilt, wenn die Finger nicht korrekt ausgerichtet sind und sich der Handschuh nur durch mehrfaches Berühren der Arbeitsfläche korrigieren liesse. Ein neuer Handschuh ist in diesem Fall die saubere und schnelle Lösung.
Was nach dem Anziehen zu vermeiden ist
Einweghandschuhe sind kein Freipass, beliebige Gegenstände anzufassen. Telefon, Tastatur, Türgriffe, Gesicht, Haare oder private Gegenstände sollten mit behandschuhten Händen nicht berührt werden. Sonst werden Keime aus dem Arbeitsbereich weitergetragen oder von diesen Oberflächen zurück auf die Handschuhe übertragen.
Wechseln Sie die Handschuhe zwischen verschiedenen Arbeitsschritten. Ein typisches Beispiel: Nach dem Reinigen einer Oberfläche werden keine Lebensmittel verarbeitet, bevor die Handschuhe ausgezogen, die Hände hygienisch gereinigt und bei Bedarf neue Handschuhe angezogen wurden. Auch zwischen der Versorgung verschiedener Personen ist ein Wechsel erforderlich.
Bei sichtbarer Verschmutzung, Beschädigung oder Durchfeuchtung müssen Einweghandschuhe sofort ersetzt werden. Das gilt ebenso nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material. Wie lange ein Handschuh getragen werden darf, hängt vom Material, von der Belastung und von den internen Hygienevorgaben ab. Für einen langen Arbeitseinsatz sind mehrere Wechsel meist sicherer als ein Paar Handschuhe über längere Zeit.
Hautschutz bleibt Teil der Hygiene
Häufiges Händewaschen, Desinfizieren und Handschuhtragen belastet die Haut. Rissige oder gereizte Haut ist unangenehm und kann ihre natürliche Schutzfunktion schlechter erfüllen. Verwenden Sie deshalb geeignete Hautschutz- und Pflegeprodukte, sofern sie mit den eingesetzten Handschuhen und den betrieblichen Vorgaben vereinbar sind.
Achten Sie auf Reaktionen wie Rötungen, Juckreiz, Brennen oder wiederkehrende Trockenheit. Ursache können langes Tragen, Schweiss, Reinigungsmittel oder eine Unverträglichkeit gegenüber Materialbestandteilen sein. In solchen Fällen sollte die Handschuhauswahl überprüft und bei anhaltenden Beschwerden fachlich abgeklärt werden.
Handschuhe korrekt ausziehen und entsorgen
Die hygienische Wirkung endet nicht mit der Tätigkeit. Beim Ausziehen ist die Aussenseite potenziell kontaminiert und darf die nackte Haut nicht berühren. Greifen Sie den ersten Handschuh aussen am Handgelenk, ohne die Haut zu berühren, und ziehen Sie ihn nach aussen ab. Halten Sie den ausgezogenen Handschuh in der noch behandschuhten Hand.
Fahren Sie mit einem unbehandschuhten Finger unter den inneren Bündchenrand des zweiten Handschuhs. Ziehen Sie ihn so ab, dass er den ersten Handschuh einschliesst. Entsorgen Sie beide Handschuhe direkt im vorgesehenen Abfall. Danach folgt erneut die Handhygiene.
Einweghandschuhe werden nicht gewaschen, desinfiziert, getrocknet oder wiederverwendet. Das Material und die Schutzwirkung sind dafür nicht ausgelegt. Für einen verlässlichen Verbrauch sollten passende Grössen und Materialien rechtzeitig verfügbar sein. Wer den Wechsel ohne Unterbruch organisieren kann, arbeitet hygienischer und vermeidet unnötige Berührungen in kritischen Situationen.

